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MY JOURNEY - Der Wächter der Strecke

Die 42,195 Kilometer des BMW BERLIN-MARATHON kennt Streckenchef Michael Feistkorn wie seine Westentasche. Besonders in den Wochen vor dem Rennen ist er ständig zwischen Start und Ziel auf Achse. Eine „Reise“, die höchste Aufmerksamkeit erfordert. Argwöhnisch begutachtet er dabei jeden einzelnen Kilometer. 

„Die bekannten Baustellen habe ich im Griff“, sagt der 63-jährige Michael Feistkorn. „Aber da bleiben noch die vielen kleinen Ungewissheiten. Plötzlich stellt irgendwer einen schweren Container ab und keiner weiß woher der kommt. Oder ein Wasserrohr ist geplatzt und muss repariert werden. Die Stadt lebt nun mal, das merkt man in solchen Momenten ganz deutlich.“

„Im September verbringe ich den größten Teil meiner Arbeitszeit auf der Strecke“, sagt der gebürtige Erfurter, der diese Arbeit schon seit mehr als zehn Jahren macht. Ein gutes Auge muss er besonders für Stellen haben, die für die Teilnehmer eine Gefahr darstellen könnten. Vor allem Gullideckel und Bahnschienen, die etwa beim hohen Tempo der Skater zu Stürzen führen können, gilt es zu entschärfen. Etwa zwei Wochen vor dem Start bewaffnet er sich mit Leiter, Draht und Kneifzange, um gemeinsam mit zwei Kollegen die insgesamt 800 Streckenschilder an den Straßenlaternen zu befestigen. Ein Knochenjob, der drei Tage in Anspruch nimmt. Am Montag vor dem Lauf ist die Markierungsmaschine unterwegs, welche die Blaue Linie auf den Asphalt zaubert. In der Nacht zu Freitag wartet auf Feistkorn dann eine ganz besondere Aufgabe. „Alle paar Jahre wird unsere Strecke durch die AIMS (Association of International Marathons and Distance Races) geprüft. Das ist für uns so etwas wie der TÜV“, erklärt Feistkorn.

AIMS-Generalsekretär Hugh Jones, selbst einst erfolgreicher Marathonläufer und Sieger des London Marathon 1982, sowie die beiden akkreditierten Vermesser von SCC EVENTS gehen dabei äußerst exakt vor. Gemessen wird mit dem so genannten Jones-Counter. Er ist auf der Achse des Vorderrades eines Fahrrades montiert. Die Zahl der Radumdrehungen wird dadurch sogar in Bruchteilen festgehalten. Bevor sich die drei Vermesser in ihre Sättel schwingen, werden die Räder kalibriert und der Reifendruck angeglichen. Dann starten sie schnurgerade hintereinander und fahren die gesamte Strecke auf derselben Linie. Im Ziel werden die Werte verglichen. Nur wenn das Ergebnis im Toleranzbereich liegt, sind die Voraussetzungen gegeben, dass Rekorde vom Internationalen Leichtathletik-Verband anerkannt werden.

Feistkorn wird die nächtlichen Radfahrer gemeinsam mit der Polizei durch die Stadt eskortieren und sicherstellen, dass sie ungestört durchkommen. Schließlich müssen sie sich zeitweise in den Gegenverkehr begeben. Nebenbei wird er die Daumen drücken, dass seine Strecke den Test ohne Beanstandungen besteht. „Das ist schon ein bisschen wie ein Tanz auf der Rasierklinge. So kurzfristig lässt sich ja nichts ummodeln. In diesem Fall könnten wir nur noch ein bisschen an Start oder Ziel verschieben.“

Wenn am Sonntag der Besenwagen durch ist, startet für Feistkorn und seine Leute die nächste heiße Phase. Kurz nach der Berliner Stadtreinigung, die dafür sorgt, dass selbst an den Versorgungspunkten 20 Minuten nach dem letzten Läufer wieder alles blitzblank ist, beginnt das Abmontieren der Streckenschilder. Dass diese inzwischen zu begehrten Souvenirs geworden sind, stört den Streckenchef überhaupt nicht. „Kein Problem. Dann haben wir ein bisschen weniger Arbeit.“

 

 

 

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