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Save the Date 29. September 2019

Newsarchiv

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Der Durchbruch zum Jubiläum

Dies war der erste Halbmarathon seit vielen Jahren, bei dem Cheforganisator

Horst Milde keine Jacke brauchte. Doch nicht nur das Wetter spielte beim

Jubiläum des mit Abstand größten deutschen Rennens über

die exakt 21,0975 km lange Strecke mit. Eine Reihe von weiteren Ergebnissen

beziehungsweise Rekorden ließ Milde strahlend durch den Zielbereich

laufen. Dem BERLINER HALBMARATHON des SCC, den erstmals die Berliner

Tageszeitung Tagesspiegel präsentierte, gelang bei seiner 20. Auflage ein

Durchbruch. Vielleicht ist die Veranstaltung sogar auf dem Weg, sich

international einen ähnlichen Namen zu machen wie der Alberto

BERLIN-MARATHON. Mit insgesamt 8137 Athleten aus 41 Nationen gab es bei fast

idealen Wetterbedingungen einen neuen Teilnehmerrekord. Diese Zahl, die

gegenüber dem Vorjahr eine sensationelle Steigerung von gut 70 Prozent

bedeutet, setzte sich zusammen aus: 5818 Läufern (Vorjahr: 3622), 1175

Skatern (203), 26 Power-Walkern (erster Wettbewerb), sechs Rollstuhlfahrern (4)

sowie 1112 Schülern und Anfängern (934), die bei dem parallel

veranstalteten 4-km-Lauf auf einer neuen Strecke starteten.

Für weitere Höhepunkte sorgten drei Streckenrekorde. Das

international hochklassigste Resultat erzielte dabei einmal mehr Joyce

Chepchumba. Die kenianische Vorjahressiegerin verbesserte den vor zwei Jahren

von Marleen Renders (Belgien/70:04) aufgestellten Streckenrekord auf 68:22

Minuten und verdiente sich damit neben dem Sieggeld von 2000 DM noch eine

Rekordprämie von 1000 DM. Die 29-Jährige erzielte ein Ergebnis, das

auch international Beachtung erfährt. In der Jahresweltbestenliste hat

sich Joyce Chepchumba an die sechste Stelle geschoben. Nicht unter den ersten

20 findet sich in dieser Aufstellung die vergleichsweise schwächere

Männer-Siegzeit von Joseph Mareng. Der Kenianer lief 61:52 Minuten. Auch

dies bedeutet für den BERLINER HALBMARATHON jedoch einen deutlichen

Fortschritt, denn ein besseres Ergebnis gab es zuletzt 1995. Gleich zwei

Kursbestzeiten gab es bei den Inline-Skatern, die noch stärker als die

Läufer vom guten, trockenen Wetter profitierten. Jan Bo Larsen

(Dänemark) siegte in 36:28 Minuten und war damit genau 1:27 Minuten

schneller als Kalon Dobbin (Neuseeland) vor einem Jahr. Noch viel deutlicher

war die Verbesserung bei den Frauen: Severin Stötzer (Gera) gewann in

37:04 Minuten. 1999 hatte Daniela Dietzold den Streckenrekord auf 46:40

geschraubt. Ohne Rekord blieb nur das Rennen der Rollstuhlfahrer, das Robby

Krannich (SC Berlin) in 59:30 Minuten gewann.

Schneeregen, Wind, Kälte, Feuchtigkeit - das alles hatte das Wetter in

den letzten Jahren beim BERLINER HALBMARATHON zu bieten. Dieses Mal schien die

Sonne, es war mild, und lediglich ein leichter Wind störte streckenweise

die Läufer. Die für die Kenianer wesentlich angenehmere Witterung mag

auch einen Anteil daran gehabt haben, dass vom Start weg deutlich schneller

gelaufen wurde als in den letzten Jahren. Allerdings war das Feld auch besser

besetzt als zuletzt. Neun Läufer bildeten die Spitzengruppe bei Kilometer

5, der nach 14:48 Minuten erreicht war: Vorjahressieger Benson Lokorwa, Simon

Lopuyet, James Tanui, Joseph Mareng, Samwel Kiplimo, Julius Maritim, Gabriel

Mutai (alle Kenia) sowie Francis Naali (Tansania) und Tijani Errahmouni

(Tansania). Dahinter lief eine Dreiergruppe mit Tahar Mansouri (Tunesien),

Krzysztof Przybyla (Polen) und Anatoly Zeruk (Ukraine). Dieses Trio war bis

Kilometer 3 noch vorne dabei gewesen, fiel dann aber immer weiter zurück.

Noch ein Stück weiter zurück folgte Jens Karraß (SCC Berlin),

der später als bester Deutscher den 12. Rang in 67:33 Minuten belegte.

Relativ konstant war das Tempo auch auf dem nächsten 5-km-Abschnitt.

Nach 29:40 Minuten war die 10-km-Marke erreicht. Nur noch acht Läufer

waren zu diesem Zeitpunkt dabei, denn Simon Lopuyet, der vor fünf Jahren

in Lissabon schon einmal 60:26 Minuten gelaufen war und damit die schnellste

Zeit im Feld aufwies, musste aufgrund eines Muskelproblems im Oberschenkel

aufgeben. Während er in den Begleitbus stieg, fiel auf den nächsten

Kilometern eine erste Vorentscheidung: Da Naali und Errahmouni

zurückgefallen waren, musste es zum dritten Mal in Folge einen

kenianischen Sieg geben. Bis zum Kilometer 15 hatte sich die Spitzengrupe auf

drei Läufer verkleinert: Mareng, Lokorwa und Maritim erreichten diesen

Punkt nach 44:20 Minuten. Angesichts des etwas schnelleren Tempos wuchs die

Hoffnung auf eine Zeit unter 62 Minuten. 2000 Meter später war das Rennen

entschieden, Mareng hatte sich abgesetzt. Der Vorjahressieger Lokorwa, der

zuletzt gemeinsam mit Mareng in Kenia trainiert hatte, wurde Zweiter und

Maritim Dritter.

Erst am Donnerstag aus Kenia nach Deutschland gekommen, gelang Joseph Mareng

in Berlin ein perfektes Saisondebüt. "Etwa bei Kilometer 15 wusste

ich, dass ich gewinne. Ich bin kurz ein höheres Tempo gelaufen und merkte,

dass die anderen Schwierigkeiten bekamen", erzählte der

29-Jährige, der vor fünf Landsleuten ins Ziel lief. "Die Zeit

unter 62 Minuten ist für mich wichtiger als der Sieg. Denn nach diesem

Ergebnis hoffe ich, dass ich beim Rotterdam-Marathon in zwei Wochen meine

Bestzeit von 2:09:36 Stunden unterbieten kann", sagte Mareng, der für

seinen Sieg 2000 DM erhielt.

Einen Doppelerfolg gab es zum zweiten Mal in Folge für Volker Wagner.

Denn sowohl Joseph Mareng als auch Joyce Chepchumba werden von ihm betreut. Sie

leben und trainieren zeitweise bei ihrem Manager in Detmold. Chepchumba lief

dabei zu einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Gefährlich wurde es

eher für andere: Als sich Jens Karraß nach rund sechs Kilometern

umschaute, um zu sehen, wer hinter ihm lief, dachte er im ersten Augenblick, da

käme irgendein Kenianer. Doch eigentlich konnte das nicht sein, denn die

starken Afrikaner rannten alle ein gutes Stück vor dem besten Berliner.

Also guckte Karraß, der 1991 als Deutscher Meister über 10.000 m

seinen größten Erfolg feierte, noch einmal etwas genauer - und bekam

einen kleinen Schock: Hinter ihm lief am Brandenburger Tor bereits die erste

Frau, Joyce Chepchumba. "Die erste Frau hinter mir zu sehen, das war

frustrierend. Da habe ich sogar überlegt, ob ich aufgebe",

erzählt Karraß, der sich am Ende knapp eine Minute vor der

Kenianerin ins Ziel "rettete". Dicht waren sie zusammen, doch weit

auseinander gehen gerade in diesem Jahr die Ziele der beiden Athleten.

Karraß stellt seinen Studiumabschluss in den Vordergrund, Chepchumba

hofft in knapp zwei Wochen auf ihren dritten Triumpf beim London-Marathon und

dürfte bei den Olympischen Spielen Medaillenchancen haben.

Jens Karraß kann sich trösten: einem erging es gestern noch

schlechter als ihm. Denn den vom Veranstalter zur Verfügung gestellten

Tempomacher hatte Joyce Chepchumba schon auf den ersten Kilometern hinter sich

gelassen. Der Hase machte schlapp, die Kenianerin hingegen lief anfangs noch

etwas schneller als geplant. "Ich wollte meine persönliche

Halbmarathon-Bestzeit von 69:07 Minuten unterbieten", sagte die

29-Jährige Siegerin, der dieses Vorhaben eindrucksvoll gelang. Bereits bei

der 5-km-Marke hatte sie mit sehr schnellen 16:00 Minuten eine Minute Vorsprung

vor der Schweizerin Daria Nauer und der Dänin Annemitte Jensen. Kurz

dahinter folgte Esther Barmasai, eine Trainingspartnerin von Joyce Chepchumba.

Den 10-km-Punkt hatte die London- und Chicago-Marathon-Siegerin des vergangenen

Jahres in 32:13 Minuten erreicht, Nauer folgte mit 34:04. Joyce Chepchumba

hielt, in einer Gruppe laufend, ihr Tempo: Den 15-km-Punkt erreichte sie nach

48:32 Minuten, das Ziel dann als souveräne Siegerin mit neuem

Streckenrekord.

Vor einem Jahr hatte sich Joyce Chepchumba beim BERLINER HALBMARATHON noch

in 70:26 Minuten ins Ziel "gezittert". Zu kalt war es damals für

die Afrikanerin, um einen Streckenrekord aufzustellen. Dennoch war der Sieg

1999 ein gutes Omen. "Am liebsten möchte ich es machen wie vor einem

Jahr: erst in Berlin gewinnen und dann in London", sagte Joyce Chepchumba,

um deren achtjährigen Sohn sich in Kenia ihr Mann und ihre Kusine

kümmern, während sie auf den Straßen Europas und Amerikas

großes Geld verdient. Wiederum war der BERLINER HALBMARATHON für

Joyce Chepchumba der letzte Test für den lukrativen London-Marathon am 16.

April. Dort kommt es zu einem der besten Duelle, die es derzeit im

Frauen-Marathon geben kann: Joyce Chepchumba trifft auf Tegla Loroupe. Die

beiden Kenianerinnen leben und trainieren zeitweise zusammen in Detmold bei

ihrem Manager Volker Wagner, beide haben ihre letzten zwei großen

Marathonrennen gewonnen, beide sind aber über die klassische Strecke noch

nie gegeneinander gelaufen. Tegla Loroupe hatte den Alberto BERLIN-MARATHON

1999 in der Weltrekordzeit von 2:20:43 Stunden gewonnen.

 

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